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Mit dem Thalys nach Paris

Ich bin ein absoluter Verfechter des Luftfahrttourismus – ich versuche Schienen zu meiden wo es nur geht. Und so war mein Plan eigentlich mit meinem 5jährigen Sohn nach Paris zu fliegen. Dann bekam ich das Angebot, den Thalys zu nutzen. Zuerst war ich skeptisch. Bahnfahren ist wirklich nicht mein Ding. Ich verwechsele Gleise, Abfahrtzeiten, Züge, Richtungen und ganze Bahnhöfe.

Aber ich muss zugeben, bei näherem Überlegen schien selbst mir die Strecke Köln-Paris Zentrum auf Schienen unkomplizierter und effizienter zu bewältigen zu sein als per Flugzeug.

Der Bahnsteig ist menschenleer. Es ist 5 Uhr 45 und wir stehen frisch geduscht, angezogen und mit Koffer und Roller im Kölner Hauptbahnhof. Gleis 8 – da fährt der Thalys meist ab. Eine Info, die sich super schlecht googeln lässt. Vielleicht ist dieses frühe Aufstehen von dem alle sprechen gar nicht so verkehrt. Mein Tag hätte plötzlich genau DIE Stunden mehr, die mir abends fehlen. Gedanken, meinen Biorythmus zu Testzwecken auf den Kopf zu stellen verwerfe ich schnell wieder.

“Mama! Wann kommt endlich der Zug!?”

Der Zug.

“In 45 Minuten.”

Ich vernehme ein leichtes Augenrollen. Leider neige ich dazu, EIN WENIG überpünktlich zu sein. Wenn es richtig wichtig ist – ich ein Flugzeug oder eben einen Zug verpassen könnte – kann mein Timing schonmal total am Ziel vorbei gehen. Und so huschten wir viel zu früh aus dem Haus und stehen nun eine halbe Stunde doof rum. Ich stehe. Das Kind flitzt mit seinem Roller durch den menschenleeren Hauptbahnhof und bleibt immer wieder vor dem gut gefüllten Süßigkeitenautomaten stehen. Hoffentlich hat er nicht zu oft ‘Durch die Hecke’ gesehen. Ich ignoriere das.

Unser Tagesziel heisst: Paris erreichen mit dem Thalys. Und Sonntag Paris wieder verlassen. Dazwischen liegen drei entspannte Tage in der wunderschönen Hauptstadt Frankreichs. Ein wenig Eiffelturm, ein wenig Montmartre. Ein Museum. Crepes mit Nutella, Pizza und Pommes für Mats – ein paar Deals musste ich eingehen – ein Wein für mich. Oh lala. Feinschmecker sind wir nicht.

Ich entschied mich für die allerfrüheste Abfahrtmöglichkeit um 6 Uhr 44 ab Köln. Was ich dachte zu verpassen, wenn wir ein wenig länger schlafen und ‘erst’ um 8 Uhr 44 fahren bleibt ein Rätsel.

Zum Glück rollt der aus Essen kommende Thalys etwa eine halbe Stunde vor Abfahrt in den Kölner Hauptbahnhof ein. Schnell runter vom kalten Gleis, rein ins warme Abteil. Ein Blick auf die Boardkarte zeigt: Wagen 21, die Plätze 65 und 66 sind für uns reserviert. Eine Reservierung ist beim Thalys Pflicht damit niemand im Gang stehen muss. Wir laufen am Zug entlang. Er wirkt ein wenig wie ein Geisterzug. Kein Schaffner weit und breit. Und auch in den Waggons bewegt sich zu dieser Uhrzeit kaum etwas.  Zwei Raucher steigen aus. Unser Abteil ist ganz vorn. Schnell Koffer verstauen, Jacke aus und auf die bordeaux-roten, kuscheligen Sitze fallen lassen. Geschafft.

3 h 14 werden wir nun unterwegs sein. Eine Streckenlänge von gut 509 Kilometern. Ergibt eine Durschnittsgeschwindigkeit von etwas mehr als 150km/h. 

Bedenken, mich mit Kind in der Comfort 1 Klasse nicht wohl zu fühlen verwerfe ich schnell. Zwar nutzen diese Klasse eher die Berufspendler, die während der Fahrt am Laptop sitzen und arbeiten müssen. Aber beim Anblick eines Kindes erschraken sie nicht – wenn ihr wisst was ich meine. Kurz nach der Abfahrt bekommen wir ein frisches Frühstück. Absolut genial. Heißer Kaffee, frische Kiwi, Croissants, Käse, Marmelade… So stelle ich mir eher den Service in der Businessclass einer Airline vor. Mats hatte schon drei Croissants verdrückt bevor wir Frankreich überhaupt erreicht hatten. Ähnlich geht es mir mit dem Kaffee. In Aachen steigt eine muntere Reisegruppe zu, die einen Tagesausflug nach Paris unternehmen. Sie bringen durch ihr Plaudern eine Wohlfühllautstärke in den bis dahin sehr leisen Zug.

Da ich ja mittlerweile ein kleiner Nerd bin entschied ich mich übrigens hauptsächlich wegen des Free-Wifi für eine Fahrt in der Comfort 1.  Und so ging die Fahrt schnell vorbei. Auch für Mats, der mein Ipad in Beschlag nahm und virtuelle Ritterburgen zum Einsturz brachte. Ein Hoch auf gute Kinderspiel Apps! (App-Tipp: Siege Hero HD 2,99 €)

Die Städte rauschen an uns vorbei. Nach gut 3,5 Stunden erreichen wir den Gare du Nord in Paris. Einen der meist frequentierten Bahnhöfe Europas. Mit dem Flugzeug wären wir vermutlich nicht schneller in Paris angekommen. Dafür wäre die Anreise deutlich stressiger geworden. Denn ist man einmal im Zug, kann man sich die nächsten Stunden zurücklehnen und steigt dann mitten in Paris aus. Vor allem bei Reisen mit Kind und Koffer ein wichtiger Punkt. Vom Gare du Nord fahren auch die Linien 4 und 5 der Pariser Métro ab, die uns schnell in Richtung Bastille brachten.

Das Reisen im Thalys – vor allem mit Kind – empfand ich als sehr unkompliziert. Auf beiden Strecken hatten wir eine Verspätung von etwa 10 Minuten, die für mich in Ordnung geht. Die Wifi-Verbindung war übrigens während der ganzen Fahrt sehr stabil. Jeder muss sich vor der ersten Nutzung per Email einmalig registrieren und kann sich dann bei weiteren Fahrten wieder einloggen. Alle Sitzplätze verfügen über Steckdosen – und so war mein Iphone trotz intensiver Nutzung während der Fahrt in Paris wieder voll geladen.

Disclaimer: Unsere Fahrt mit dem Thalys und unser Aufenthalt in Paris wurde gesponsert von Atout France und der Pressestelle des Thalys Deutschland. Vielen Dank dafür! Ansichten bleiben meine eigenen. 

  • lebenslustiger13. März 2012 - 17:47

    Hey super, das war doch dann angenehm schnell. Auf den Flughäfen verplempert man nämlich wirklich auch viel Zeit mit der Warterei. Hatte neulich auch geschaut, wie lange die Bahnfahrt Hannover Paris dauert, aber das waren glaube ich sechs Stunden…da ist das Flugzeug dann doch attraktiver…Fährt der Thalys von überall? LGReplyCancel

    • Heike14. März 2012 - 08:47

      @lebenslustiger – Danke dir, für dein Feedback! Mit dem Thalys ist Paris tatsächlich am praktischsten von Köln, bzw. Aachen aus zu erreichen. Aber man kann auch in Essen einsteigen oder zum Beispiel in Brüssel fahren.ReplyCancel

  • Reiner Girsch13. März 2012 - 21:19

    Sehr schön zulesen und informativ. Gerade für mich wo ich schon letztes Jahr nach Paris wollte und jetzt vorhabe mit meinem Sohn zufahren der sich aber noch wehrt :)
    Danke, freue mich auf Blogs von Dir. Hoffentlich kommen noch welche von Paris.ReplyCancel

    • Heike14. März 2012 - 08:50

      @Reiner – Dein Sohn wehrt sich? Dann darf ich dir nicht sagen, wie ich das hier angestellt habe. ;-) Mein Sohn sagt bei der ersten Ankündigung ‘nein, auf keinen Fall’, bei der zweiten ‘aber nicht so lang’, bei der dritten ‘Mama, ich bin ganz aufgeregt’ und seit wir wieder da sind malt er nur noch Eiffeltürme und erzählt allen was er tolles erlebt hat. Ich muss ehrlich sagen, wenn ich immer darauf warten würde, dass meine Kinder auf Dinge Lust bekommen, die sie nicht einschätzen können, käme ich hier nicht aus Köln raus. ;-) ReplyCancel

  • Christina13. März 2012 - 21:30

    Oh mein Gott was musste ich Grinsen, Lachen und Schmunzeln!

    Du bis mir in einigem sehr ähnlich. Ich “hasse” Straßenbahnen und Züge – obwohl ich mich mittlerweile langsam an die Züge gewöhne. Ebenfalls immer Überpünktlich, um ja nicht in die Verlegenheit zu kommen den Zug zu verpassen. Dazu die Angst länger einzuschlafen und verpassen am Richtigen Haltepunkt auszusteigen.

    Dafür aber die Vorteile: Wifi und Steckdosen! Klasse, wenn der Akku nach langer Fahrt immer noch voll ist. Und mal ehrlich, im Zug lässt es sich doch hervorragend iPhonen ;)

    Ich habe mich sehr über deinen Bericht gefreut und wünsche euch weiterhin viele schöne Reisen zusammen in Zukunft.

    Viele Grüße
    ChristinaReplyCancel

    • Heike14. März 2012 - 08:51

      @Christina – och wie schön, danke! Das höre ich gern. Wir scheinen uns ja in vielerei Hinsicht sehr ähnlich zu sein. Checke demnächst mal in der ‘Coffee Bar’ ein. ;-) ReplyCancel

  • gabi_w_z14. März 2012 - 11:18

    gut deinen beitrag gelesen zu haben .. bin auch eher der flugzeug/autotyp .. der züge wenn möglich nur von der modelleisenbahn her kennt … da bekommt man lust auf eine städtereise per thalys .. und ab auf die merkliste.
    lg gabiReplyCancel

  • Janett27. März 2012 - 00:42

    Als Kind aus Bahnerfamilie bin ich natürlich in meinem Leben schon mehr Bahn gefahren als das ich im Flieger gesessen habe. Daher find ich deinen Reisebericht ganz interessant. Ich denke, sofern man wirklich einen Sitzplatz und nette Fahrtbegleitung hat, ist Zugfahren schon recht cool.
    Gestern stand ich am Kölner Bahnhof und neben mir der Thalys. Ich war schon leicht versucht einzusteigen. So ein Spontanbesuch in Brüssel oder Paris wär schon was tolles… Mal schauen was das Jahr noch so bringt :D ReplyCancel

  • Sarah12. Februar 2013 - 08:31

    Ich bin da komplett anders als Du Heike. Ich versuche wann immer es geht das blöde Flugzeug zu vermeiden. Mich nervt dieser ganze Sicherheitshickmeck und das gefühlt endlose warten am Flughafen. Innerhalb Deutschlands und in nähere Ziele im Ausland fahr ich am Liebsten mit dem Zug. Kommt oft auf die selbe “Transportzeit” raus, mehr Bewegungsfreiheit und meine Schuhe muss ich auch nicht vor dem Einsteigen durchleuchten lassen. :-) ReplyCancel

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