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Ein Streifzug durch Montmartre – die Künstler vom Place du Tertre

Paris hat so viele wunderschöne Ecken. Eine davon ist dieses vollkommen überlaufene, teure, touristische Viertel. Nicht unten an der Hauptstraße – dort wo die ganzen Souvenirläden die Straßen säumen, Maronen verkauft werden, Tauben das Begrüßungskommando an der Métro sind. Aber oben in den alten Gassen.

Ich hatte euch ja in den letzten Tagen nach unserer Rückkehr aus Paris mit durch das 11.Arrondissement und auch mit hoch auf den Eiffelturm genommen. Heute nehme ich euch mit auf unseren Streifzug durch Montmartre. Hier hatte ich sogar ab und an die Ruhe, zur großen Kamera zu greifen. Entstanden ist also eine Mischung aus meinen Nikon D7000 Bildern und meinen geliebten Instagrams.

Früher bin ich die vielen Treppen hoch gelaufen, jetzt wollte ich mit Mats die Seilbahn nehmen – die Funiculaire – und unsere Nerven schonen. Spart unglaublich viel Zeit. Eine Fahrt kostet ein U-Bahn Ticket. 90 Sekunden später standen wir mitten im Leben auf dem Montmartre.

Vielleicht habt ihr Lust auf ein wenig französische Musik? Dann lege ich euch zu den Fotos “Nolwenn Leroy – La Jument de Michao” ans Herz. (Das ganze Album ist großartig! Das gibt es hier.)

Mats mit seiner Kodak Easy Share, die uns überall hin begleitet

Ich bewunderte die Parkkultur der Pariser. Die Vorfreude, einen halblegalen Parkplatz hier oben direkt vor der Sacre Couer zu ergattern überwiegt offenbar der Angst vor anschliessenden, hohen Reparaturkosten. Ich kann wirklich gut einparken, aber hier zog ich meinen Hut. Aber später lernten wir, was es bedeutet, rückwärts am Steilhang in eine enge Parklücke fahren zu müssen.

Nehmt euch Zeit. Hetzt nicht den Montmartre hoch und hinten wieder runter. Lasst euch gemütlich treiben. Setzt euch auf die Stufen vor Sacre Coeur, beobachtet die Menschen und die Musiker. Plant einfach ein wenig Zeit ein. Ach, ich hätte hier oben den ganzen Tag verbringen können.

Wir streiften über den ‘Butte’, schauten uns das graue Paris von oben an. Die vielen Maler, die uns und hunderte andere auf der Straße abfangen wollen, gingen mir relativ zügig auf den Nerv. ALLE wollen ein Portrait zeichen, für Preise zwischen 15 und 25€. Wir sollten 25 € bezahlen. Auf dem kurzen Weg von Sacre Coeur bis zum Place du Tertre haben uns bestimmt zehn Leute angehauen deswegen.  Und ein einfaches ‘Nein’ langt nicht, sie laufen ein Stück mit – wie auf einem Basar. Sie sind hier oben nicht gerade beliebt, gelten als ‘illegale Maler’. Schliesslich verderben sie die Preise und den Ruf der ‘Montmartre-Maler’ auf dem Place du Tertre.

Ich meine, wer hängt sich ernsthaft ein solches Porträt als Erinnerung an die Wand? So verliebt kann man doch nicht sein, oder?

Dann hörte der Strom der Nervensägen plötzlich auf und wir verschwanden schnell in einer ruhigen Ecke um eine Stärkung zu uns zu nehmen. Für Mats ist Frankreich bisher Lebensmittelheaven. Hier gab es auch wieder einen Crepes mit sehr viel Nutella. Aber hier gibt es auch einige gemütliche Bars und Restaurants, die bezahlbar sind und die Stühle draußen haben. Manche sogar mit Free Wifi. Erwähnte ich, dass es so viel zu sehen gibt?

Wir machten Fotos, wichen dutzenden, weiteren Portrait-Künstlern aus und landeten schliesslich auf dem Place du Tertre. Hier, auf diesem kleinen Platz, arbeiten die ‘echten Künstler’. Die, die im Maison des Artistes, im staatlichen französischen Künstlerverband, eingeschrieben sind. Das sind etwa 300 Maler, alle haben eine Konzession zum Arbeiten auf dem Place.

Auch hier wünschen sich die Touristen Porträts und Karikaturen – die gibt es aber in einer anderen Qualität. Und zu einem anderen Preis. Es ist eng hier – 2 Maler teilen sich einen 1 Quadratmeter großen Arbeitsplatz. Sie müssen zusammenrücken und sehen, dass sie trotz der gesunkenen Verkaufspreise überleben im teuren Paris. Die Warteliste für einen der begehrten Plätze ist lang: etwa 10 Jahre müssen die Künstler warten. Hier dürfen nur Künstler arbeiten, die im Besitz einer kostenpflichtigen Arbeitserlaubnis sind. Hinzu kommen die Kosten für die Platzmiete.

Bei meiner Recherche im Vorfeld stiess ich auf dem Blog ‘Deutsche in Paris’ auf einen Link zur Seite ‘Painters of Montmartre’. Dort werden einige Montmartre-Maler vorgestellt. Unter anderem Chow Wai-Keung und seine Werke. Er malt “Schauplätze aus dem alltäglichen Pariser Leben” wie eine französische Bäckerei, ein Café oder einen Hauseingang.  Die Bilder gefielen mir schon im Internet sehr gut und ich hoffte ihn vielleicht zu finden wenn ich in Paris sein würde. Und einige Tage später stand ich auf dem Place du Tertre, und zwar genau vor ihm.

Nein, ich habe letztendlich keines gekauft. Aber wenn ihr das wollt: einige der Künstler haben auf Anregung von Georges Behras, der während eines Studienaufenthaltes selbst auf dem Place gearbeitet hatte,  mittlerweile einen ‘Online Shop’.  Auf oben genannter Seite könnt ihr euch eines ihrer Bilder aussuchen und bestellen. Diese werden ‘individuell angefertigt und nach einer kurzen Trockenzeit sicher verpackt und mit einer Sendungsnummer verschickt.’ Die Idee ist naheliegend, aber richtig gut. Früher, erzählt eine Künstlerin, konnte man ohne Genehmigung seine Kunst anbieten.

Wir machten uns auf den Rückweg runter vom Butte. Vorbei ging es an vielen hübschen Häusern. Bis ich mich komplett verlief und Mats so blöde ausrutschte, dass er beinahe den ganzen Hang bis zur Métro runtergerollt wäre.

Habt ihr Montmartre besucht? Und euch vielleicht zeichnen lassen? Ich freue mich auf Eure Meinung!

Disclaimer:  Unser Aufenthalt in Paris wurde möglich gemacht von Atout France. Ansichten bleiben meine eigenen.

  • Reiner Girsch24. März 2012 - 07:28

    Morgen Heike.
    Danke für den Tip, er steht schon auf meiner ToDo List für Paris.
    Eine kleine Anmerkung, der link zu dem Lied sollte sich in einem neuen Fenster öffenen finde ich. Mit der Musik im Hintergrund deinen Artikel zulesen und die Bilder zuschauen versetzt einen noch besser nach Paris.ReplyCancel

  • Kim24. März 2012 - 10:08

    Ein wundervoller Beitrag, der den besonderen Charme von Montmartre sehr gut wieder gibt – letzten Endes auch dank der genialen Bilder!

    Die kleinen Gassen und die charmanten Cafes sind genial und besonders in Montmartre vergeht die Zeit wie im Fluge. Was ich jedoch als etwas störend empfand, waren die teils doch sehr aufdringlichen Künstler, die vom Verhalten her eher den “Türschreien” des Hamburger Kiezes glichen.

    Ganz liebe Grüße nach Köln!ReplyCancel

  • A.O.24. März 2012 - 11:38

    Guten Mittag,

    natürlich kann man so verliebt sein um einen solchen Porträt dann zuhause aufzuhängen. Nein, ich habe keinen :)

    Dafür aber, lasse ich mich gerne karikaturiesieren (heißt das überhaupt so?) und hänge es zuhause auf :)

    P.S.:btw. habe ich mal eine Frage… Du bist doch Fotografin…und fotografierst wie ich sehe, auch mal fremden Menschen auf die Straße. Wie verhält sich das? Ich meine, einfach eine Photo machen und weiter gehen? Oder fragt man da früher um Erlaubnis? Ich tue mich sehr schwer damit.ReplyCancel

  • Heike24. März 2012 - 12:33

    @ Reiner – ja, du hast völlig recht. Sonst macht es keinen Sinn. Ich war auch sicher, dass er ein neues Fenster öffnet. Ich versuche das zu ändern. Danke!ReplyCancel

  • Heike24. März 2012 - 12:34

    @ Kim – vielen Dank für dein Feedback! Ja, wie ich schrieb, mir gingen die auch sehr auf den Zeiger. Einen wurden wir nicht mehr los, und wir sollten uns noch im Café zu ihm setzen. Aber sich da oben treiben lassen ist schon toll…ReplyCancel

  • Heike24. März 2012 - 12:37

    @ A.O. – ich glaube es heißt karikieren. ;-) Ja, ich fotografiere gerne fremde Menschen auf der Straße. Streetfotografie finde ich sehr spannend, aber es ist auch schwierig einfach abzudrücken. Bei dem Paar oben verhielt es sich ein wenig anders, er hatte gesehen, dass ich fotografiere und mir mit einem Blick zu verstehen gegeben, dass es ok für ihn ist. Aber im Normalfall fotografiere ich und gehe einfach weiter. Um Erlaubnis frage ich nicht, dann posen die Leute immer. Das macht die Fotos kaputt…ReplyCancel

  • Scott Krebs24. März 2012 - 14:07

    Nice work, Great photos!ReplyCancel

    • Heike24. März 2012 - 14:58

      @Scott – Thank you very much, My dear Instagram Friend. ;-) Appreciate your comment very much!ReplyCancel

  • Denny25. März 2012 - 15:51

    Schöner Bericht mit viele guten Tips und bezaubernden Fotos :). Bin schon auf den nächsten Artikel gespannt!ReplyCancel

    • Heike25. März 2012 - 19:51

      @ Denny – vielen Dank! ja, 1 oder 2 Artikel aus Paris habe ich noch… ;-) Liebe Grüße…ReplyCancel

  • Torben14. Juli 2012 - 15:29

    Ein genialer Bericht über Montmatre, im August werde ich auch mit meinem Sohn dieses Viertel Erkunden. Deine Photos sind sehr lebendig und vermitteln einen “must go” Eindruck.ReplyCancel

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