Das iPhone 7 Plus als Reisekamera – Porträtmodus, Live Fotos und Umgang mit den Dateien

Das iPhone 7 hatte ich bisher ignoriert. Obwohl ich seit knapp 10 Jahren iPhones nutze. Das allererste Modell, das 2G, habe ich wohl verpaßt. Aber ab dem 3G, das 2008 rauskam, war ich regelmäßig am Start wenn es um die neuesten Geräte ging. In den letzten 2 Jahren verzichtete ich allerdings auf ein Upgrade des Telefons: beim 6s konnte ich den echten Fortschritt nicht erkennen und wollte es einfach überspringen. Dann war aber beim 7er – für mich persönlich – der vermeintliche Fortschritt ein krasser Rückschritt. Das hatte zur Folge, dass ich auf meinem iPhone 6 Plus ’sitzen blieb‘ und es bis dato mein ‚aktuelles‘ Arbeitstier ist. Irgendwie veraltet. Und irgendwie auch nicht.

Ich bin nicht sicher, wie intensiv ‚Apple‘ in den Sozialen Netzwerken querliest, aber sie boten mir plötzlich ein aktuelles iPhone als LEIHgerät an für meine große Reise durch die USA und Kanada. Das war nun aus mehreren Gründen eine gute Idee:

Das war die Gelegenheit

  • heraus zu finden, ob meine tiefe Abneigung gegen das iPhone 7 berechtigt ist
  • meine Reisefotos und Videos mit der qualitativ besseren Kamera aufzunehmen, auch wenn ich mich mit der Kopfhörersache selbst vielleicht nicht würde anfreunden können

Ein ungezwungenes Kennenlernen also über das ich euch hier gern berichten möchte.

Im Test: das iPhone 7 Plus als Reisekamera

Mein ursprünglicher Plan sah also vor, mit beiden Handys zu reisen. Aber das ging sich nicht aus und macht auch keinen Sinn. Also synchronisierte und konfigurierte ich das neue iPhone gleich so, dass es das alte vollständig ersetzen würde. Mittlerweile habe ich eigentlich gelernt, dass ich mit diesem Unterfangen nicht kurz vor knapp beginnen sollte, denn die Sicherung der Bilder mit Programmen außerhalb der Apple-Programme wird immer komplizierter.

Eine Kleinigkeit übersah ich beim Einrichten des iPhone 7 Plus, auf die ich gleich zu sprechen komme. Den eigentlichen Switch habe ich in den 5 Wochen in Nordamerika keine Sekunde bereut. Und auf dieser Reise eines der für mich schönsten und stimmungsvollsten Handyfotos überhaupt geschossen.

Feature oder Function – der Kopfhöreranschluss des iPhone 7

Ist weniger wirklich mehr? Der Hauptgrund aus dem ich auf ein Upgrade zum iPhone 7 verzichtet hatte, war der nun fehlende separate Kopfhöreranschluss. Ich weiß, ich bin eventuell etwas unflexibel was das angeht, aber wer zum Henker kommt bloß auf die Idee, den zu streichen? Und wer bloß auf die, sich stattdessen diese Bluetooth Penöppel ins Ohr zu stecken? Nun. Ich hätte nie gedacht, dass ein Kopfhöreranschluss darüber entscheidet, ob ich nun ein iPhone will oder nicht. Aber: ja, genau so war es. Ich wollte KEINES. Auf keinen Fall.

Ich reise viel. Ich höre gerne viel Musik. Gucke Filme. Hasse es, wenn der Akku leer wird dabei. Lade also währenddessen auf. Mir diese Buchse wegzunehmen, das ist ein No Go. Mir ist bewusst, wie sehr sich darüber die Gemüter streiten und dass viele es unglaublich großartig finden, dass er ‚endlich weg‘ ist. Andere stehen voll auf die BT-Kopfhörer, die ein wenig so aussehen als hätte man beim Vorgängermodell einfach das Kabel abgeschnitten.

Ihr lest schon: ich vermisse den Kopfhörereingang immer noch. Aber ich habe in den 5 Wochen auf Reisen mit dem iPhone 7 Plus eine wichtige Lektion gelernt: es geht auch OHNE extra Anschluss. In der Praxis wurde mir folgendes klar:

  • ich kann mit dem iPhone 7 durchaus auf einem 12 Stunden Langstreckenflug Musik hören und Filme gucken OHNE dass der Akku leer geht. Denn ich mache immer Pausen, in denen das Handy laden kann.
  • die Bluetooth Penöppel – ok, die Air Pods – kommen mir nicht ins Ohr. Meine alten tun es erstmal.

Ehrlich gesagt hat mich diese Erkenntnis wirklich überrascht. Es stört mich einfach zu sehr, wenn ich aus der Bahn/dem Flugzeug steigen muss und der Akku halb leer ist. Aber nein, das ließ sich gut umgehen. Dieser Punkt war tatsächlich der Hauptgrund für meine Verweigerungshaltung. Das mag nicht rational sein, aber so bin ich eben.

Live Fotos – man liebt sie oder hasst sie

Was sind eigentlich Live-Fotos?

Auch wenn es sich gerade anfühlt, als wäre dieser Artikel 2 Jahre alt, weiß ich, dass viele von den sogenannten ‚Live-Fotos‘ noch nichts gehört haben. Ein Live Foto ist eine Datei, die aus einem fotografierten Moment nicht nur ein jpg erstellt sondern auch ein kurzes Video und in EINER Datei speichert. Wenn man es denn möchte. Dieses kurze Video zeigt somit den Moment kurz vor und kurz nach der Aufnahme des Bildes.

Dass Live-Fotos existieren ist nicht an mir vorbei gegangen, diese Funktion nutzen konnte ich bis dato aber dank meinem veraltetem iPhone nicht. Im Nachhinein erklärt das, wie ich so naiv vorgehen konnte. Denn ehrlich gesagt hatten wir erst mitten im Urlaub bemerkt, dass unsere aufgenommenen Fotos ‚leben‘ und erst dann erinnerte ich mich an dieses Feature. Die Kinder liebten es und wir hatten viel Spaß damit. Also fotografierte ich so weiter und dachte mir auch nichts dabei, da ich meine aufgenommenen (Video-)Bilder wie zuvor auch in Apps bearbeiten und posten konnte.

Erst zu Hause und über 4500 Livefotos später wurde mir klar, was ich da angerichtet hatte! Denn ich konnte die tausenden Dateien NICHT wie sonst einfach auf meinen Rechner laden und in Lightroom importieren! Lightroom erkannte die Dateien nicht und obwohl ein jpg in die Datei integriert ist, konnte es sich das nicht herausziehen. Drama! Ich googelte und recherchierte. Vermutete, dass Lightroom zu alt sei, stieg sogar extra deswegen auf die Creative Cloud Variante um (orrr) aber leider änderte das genau NULL daran. Auch das kleine Programm ‚Digitale Bilder‘ erkannte die Dateien nicht. Musste ich nun ernsthaft manuell jedes einzelne Foto neu abspeichern?

Nun, es kostete mich fast einen ganzen Tag um diese Dateien auf meinen Rechner zu bekommen, zu verstehen, warum mein Workflow überhaupt hakte und wie ich aus diesen merkwürdigen Dateien ein jpg erzeugen kann – während ich die eigentlichen Live Fotos erhalte – um es dann wieder in Lightroom zu importieren und zu bearbeiten.

Tipps zum Umgang mit Live-Fotos

Aus meinem persönlichen, obigen Drama lernte ich folgendes:

  • Live Fotos sind irgendwie geil aber tausende aufzunehmen macht wirklich überhaupt keinen Sinn haha
  • Live Fotos fressen natürlich mehr Speicher als Fotos, da sie ja aus Video + Foto bestehen (bei 256 GB Speicher fiel mir das vor Ort nicht auf)
  • mit Live-Fotos kann man aktuell noch nicht viel anfangen. Eigentlich sind sie nur witzig anzuschauen und zwar auf dem iPhone selbst. Ansonsten sind sie extrem sperrig. Sie lassen sich nicht verschicken, sie lassen sich nicht veröffentlichen. Irgendwie also aktuell sinnlos, aber ich vermute, dass Apple da sehr bald etwas dran ändern wird
  • Live-Fotos können immerhin in Gifs umgewandelt werden, so dass man sie doch herzeigen kann. Die Qualität wird dadurch allerdings merklich schlechter. Eine App, mir der sich Live Fotos in Gifs umwandeln lassen, ist zum Beispiel Motion Stills von Google. Allerdings sind die erzeugten Dateien locker über 10 MB groß.
  • die Live Fotos haben meinen kompletten Handyfoto Workflow gecrasht! Und ich gehe davon aus, dass es immer komplizierter werden wird, Smartphone Fotos aus der mobilen Welt in die Desktop Welt zu befördern. Früher oder später wird/muss/soll (?) alles über Apps laufen.

Wie kommen die Live-Fotos auf den Desktop Rechner?

Live Fotos sind wirklich super sperrig! Aber deswegen gar keine aufzunehmen wäre auch schade. Ich habe für mich einen Weg gefunden, sie auf den iMac (selbst da ist es hakelig) zu bringen.

  • die Live Fotos haben mich final nun gezwungen, die im Mac integrierte ‚Fotos-App‘ zu nutzen! Ich habe das jahrelang verhindert und ich mag immer noch nicht, wie das Programm die Bilder ablegt – nämlich in Mediatheken, nicht in Ordnern – aber es war am Ende die einzige Möglichkeit, die Dateien überhaupt erstmal auf den Rechner zu bekommen. Ich wollte Bild UND Videos erhalten.
  • wenn die Dateien auf dem Rechner liegen, lassen sie sich allerdings immer noch nicht in Lightroom importieren. Ihr müsst zunächst die entsprechenden Dateien als FOTO aus der Fotos App exportieren.
  • erst dann lassen sich die exportierten jpg in Lightroom laden, bearbeiten und wieder exportieren

Beim nächsten Mal werde ich definitiv die Funktion grundsätzlich deaktivieren und nur gezielt anschalten.

Tipp:

Wenn ihr ein Livefoto aufnehmt, achtet darauf, das Handy länger ruhig zu halten. Sonst habt ihr am Ende die ‚Herunternehm-Bewegung‘ auf dem Video. Ja, ich war nicht ganz up to date was die neuen Feature angeht. Aber das kommt nicht mehr vor, soviel steht fest.

Die Fotoqualität des iPhone 7 Plus

Das iPhone 7 Plus hat mir vor Augen geführt, dass ich im Alltag mit einem sehr alten Mobiltelefon unterwegs bin. Es ist im Laufe der letzten Jahre wirklich sehr langsam geworden. Und vor allem die Qualität der Fotos aus der Frontkamera des iPhone 7 Plus machen mir bewusst, dass mein Modell überholt ist. Euch vielleicht nicht so haha. Das rechte Bild verdeutlicht auf jeden Fall auch sehr gut, was Schlafentzug mit Menschen machen kann.

Das iPhone 7 Plus hat zum ersten Mal seit langem mal wieder die Lust in mir geweckt, bewusst Smartphone Fotos zu machen. Denn auf den letzten Reisen hatte ich mich fast gänzlich davon verabschiedet und es fast dauerhaft in der Tasche gelassen.

Der Porträtmodus des iPhone 7 Plus

Spannend war es, den Porträtmodus des iPhone 7 Plus auszuprobieren. Er sorgt zusammen mit dem zweiten Objektiv des Handys für eine geringe Schärfentiefe und erzeugt so ein Bild mit sehr klarem Fokus. Ich mag das Ergebnis sehr und damit läßt sich ganz wunderbar herumspielen. Allerdings fotografiere ich persönlich so lieber Objekte als Menschen. Wie zum Beispiel mein Travelers Notebook auf der Terrasse unseres Häuschens in British Columbia, Kanada. Der Porträtmodus ist definitiv eine schöne Spielerei, die aber auch sehr schnell völlig übertrieben und ‚falsch‘ wirken kann.

Anbei auch ein kleines Best Of meiner Bilder, aufgenommen zwischen Südkalifornien und Kanada, am Pazifik und im extrem waldbrandgeplagten British Columbia.

Das iPhone 7 Plus Leihgerät geht in den nächsten Tagen zurück an Apple. Genau rechtzeitig zum Erscheinen des Nachfolgers über den wir heute abend mehr erfahren werden. Zum ersten Mal seit Jahren fiebere ich wieder mit und habe mir ein ‚Ticket‘ bei der Telekom gesichert und hoffe, dass die neuen iPhones einige coole Neuerungen bringen werden (bitte diesen furchtbaren Homebutton abschaffen!) und ich meine Finger früh an mein zukünftiges Smartphone kriege.

Update 15. Spetember 2017: Weder das vorgestellte 8er iPhone noch das wirklich sehr teure X haben mich angesprochen. Somit habe ich mir das iPhone 7 Plus in RED mit 128 GB bestellt, eines der letzten verfügbaren bei der Telekom. Wer hätte das gedacht.

Apple hat mir das iPhone 7 Plus zu Testzwecken für einige Wochen zur Verfügung gestellt. Und holt es auch wieder ab.

10 Kommentare

  1. Romy

    Danke für die Erklärung des Workflows. Ich bin ja auch noch mit iPhone 6S unterwegs und die Live-Bilder konnte ich bisher auch nicht wirklich verwenden, so dass ich sie schnell nicht mehr genutzt habe. Auch ich fiebere jetzt dem iPhone 8 bzw. X hinterher – aber heute wird es ja vorgestellt. Ein Reservierungsticket habe ich auch schon länger. 😉
    Das 7er habe ich aus dem gleichen Grund auch nicht, obwohl die Kamera beim 7 Plus genial ist – und Deine Bilder überzeugen mich auch wieder von dieser Meinung. Also: lass uns zwei mal schoppen gehen. 😉

    1. Heike Kaufhold

      Du hast shoppen gesagt. Alles klar 😀 Mal sehen ob die Telekom da was vernünftiges zusammenbastelt. Sonst eben nicht. Das 7er ist ja auch schon ein großer Sprung für mich haha.

  2. vielweib

    Ich bin auch schon ganz heiß auf das neue Modell. Aktuell habe ich das 6S privat und das Plus als Jobhandy – beide kommen jetzt in die Verlängerung…
    Gerade die verbesserte Kamera reizt mich ebenso wie Dich. Ob das 8er mehr kann als das 7S?
    Ein Problem habe ich allerdings mit der Plusvariante, die ich eigentlich (wenn ich nicht das 8er nehme) nehmen wollte: Mit dem neuem Osmo Mobil hängt das Gimbal schon ordentlich. Mit Hülle kämpft das mobil in der ruhigen Position schon heftig gerade zu bleiben…
    Werde dazu noch gesondert mal berichten. Danke für Dein Input und habe es gleich zum Anlass genommen mal mein Livefotos wieder abzuschalten 😉

    1. Romy

      Das 8er wird heute als Nachfolger vom 7er (es gibt/gab kein 7S bisher) vorgestellt – mal sehen, ob es besser ist und mehr kann. Apple hält sich da ja sehr bedeckt. Auf jeden Fall wird es spannend.

    2. Heike Kaufhold

      Ich bin gespannt! Im größten ‚Nicht Neuerungsnotfall‘ wird es eben ’nur‘ ein 7er 😀 ist auch schon ein großer Sprung vom 6er. haha. Habe gerade beim durchscrollen der handyfotos mich wieder über ein Bild sehr gefreut, dass plötzlich zum Leben erwachte 😀

    1. Heike Kaufhold

      Orrr ja. Der voraussichtliche Preis passt mir auch nicht. Hoffe, dass die Telekom einen vernünftigen anbietet bei Vertragsverlängerung. Und wenn es mich nicht umhaut, denn eben nur das 7er…

  3. Marc

    Hahaha, ich sag’s doch schon lange. In Sachen Smartphone-Fotografie hat sich irre viel getan und das wird noch eine Weile in solchen Schritten weitergehen.
    Du hättest übrigens mal Lightroom Mobile als Kamera probieren sollen. Damit schießt das Ding HDRs als Raw. Das eröffnet nochmals ganz neue Möglichkeiten. (Allerdings nix mit Filmchen drumrum!)

    Viel Spaß mit dem 8er und viele Grüße
    Marc

  4. Oli

    Was du beschreibst, ist genau der Grund, wieso ich mir noch nie ein Gerät von Aople gekauft habe. Mit diesen Dingern handelst du dir nur jede Menge Ärger und Inkompatibitäten ein. Zudem ist die iPhone Kamera einfach schlecht. Mit meinem chinesischen Xiaomi mache ich für einen Drittel des Preises die besseren Bilder. Wenn du allerdings gerne Musik hörst, würde ich dir einen guten MP3 Player empfehlen. Ich habe einen von Cowon. Die Audioqualität ist Meilen entfernt und du hast auch eine klassische Buchse vor hochwertige Kopfhörer. Es lohnt sich da echt, etwas Geld zu investieren.

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